Island lehnt neue EU-Beitrittsgespräche ab. Unsere Leser diskutieren über Brüsseler Regeln, Haushaltskosten und die Vorteile des Binnenmarkts.
Islands Nein zu erneuten EU-Beitrittsgesprächen rückt die Attraktivität der Union in den Fokus. Tanit Koch sieht darin zwar keinen zweiten Brexit, aber einen Hinweis auf Probleme bei Regulierung, Standortpolitik und dem geplanten EU-Haushalt. Einige Leser verstehen das Votum als Absage an Zentralisierung und wünschen sich einen europäischen Wirtschaftsverbund mit klar begrenzten Zuständigkeiten. Andere stellen vor allem Deutschlands Rolle als Nettozahler und die Kosten des Brüsseler Apparats infrage, während eine kleinere Perspektive auf Islands Fischerei und die EFTA verweist. In den Kommentaren treffen somit Reformforderungen auf die Frage, wie viel gemeinsame Politik Europa braucht.
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Verteilung der Lesermeinungen
Island sagt Nein zur Brüsseler Gängelei
Mit 61 Prozent prägt die euroskeptische Sicht die Debatte: Leser loben Islands Referendum als Ausdruck demokratischer Selbstbestimmung und als Widerstand gegen Bürokratie, Regulierung und eine als übergriffig empfundene Politik aus Brüssel. Sie beziehen sich auf die im Artikel genannten Vorgaben etwa für Neuwagen sowie auf die Kritik an der Standortpolitik und wünschen sich weniger Zentralisierung, mehr Subsidiarität und eine Rückkehr zu einem vorwiegend wirtschaftlichen Verbund. Einige ziehen dabei Parallelen zu Großbritannien und dem Brexit oder argumentieren, Island habe sich bewusst gegen eine kostspielige Vollmitgliedschaft entschieden.
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„Die deutsche Regierung sollte erst mal anfangen, nicht auf jede Regelung aus Brüssel noch zwei bis drei Komplikationen draufzusetzen. Und auch bei uns selbst eine Regulierung deutlich zurückschrauben. Man kennt das aus der Bibel: Splitter – Balken. Nichtsdestotrotz sollte Brüssel weniger regulieren. Das Stichwort heißt Subsidiaritätsprinzip! In Brüssel nur das, was gemeinschaftlich besser geht, wie Verteidigung und allgemeine Regeln. Aber die Ausgestaltung den Ländern überlassen und nicht jeden Pups eng auslegen.“ Zum Originalkommentar
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„Die EU gehört dringend auf ihre ursprüngliche Form zurückgeführt. Ein Wirtschaftsbündnis ohne eigene Befugnisse in den Mitgliedstaaten.“ Zum Originalkommentar
„Die EU wird mit ihrem Regelungswahn und der daraus resultierenden Bürokratie zunehmend übergriffig.“ Zum Originalkommentar
„Gestern wurde uns doch noch eingetrichtert, wie „schlecht“ es den Briten mit dem Brexit geht, obwohl deren Wirtschaftszahlen deutlich besser als die deutschen Zahlen sind. Ich kenne keinen Briten, der den EU-Unsinn zurückmöchte. Und das trotz damaliger massiver Sonderregelungen für die Briten.“ Zum Originalkommentar
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„Würde ich gefragt werden, denke ich nicht, dass ich für die EU votieren würde. Zu viel Mist kam aus Brüssel, der dann durch die deutschen Regierungen aus Strebertum nochmals verschärft wurde!“ Zum Originalkommentar
ANZEIGEDeutschland zahlt Brüssel – Reform gefordert
Für 25 Prozent der Leser stehen die Finanzen im Mittelpunkt: Sie sehen Deutschland als Nettozahler und kritisieren, dass Island bei einem Beitritt ebenfalls rasch mehr einzahlen müsste, als es erhält. Anlass ist besonders der im Artikel genannte Haushaltsentwurf für 2028 bis 2034 mit höheren Ausgaben, zusätzlichen Stellen und Pensionsverpflichtungen. Diese Leser verlangen umfassende Haushalts- und Strukturreformen, eine stärkere Anwendung des Subsidiaritätsprinzips sowie teils mehr Mitspracherechte entsprechend den Nettoeinzahlungen.
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„Welche Attraktivität? Die Antwort wird im Artikel gegeben und die heißt in erster Linie: Nettozahler. Mit Island wäre nach vielen Beitrittsländern endlich wieder mal ein Geldgeber dazugekommen. Aber die Isländer machen das, was Deutschland nicht macht: Sie kümmern sich in erster Linie um das Wohlergehen der eigenen Wirtschaft und der Bevölkerung. Und wenn erst Länder wie Moldau und die Ukraine in die EU aufgenommen worden sind, dann braucht Deutschland keinen Finanzminister mehr, dann kann das gesamte Steueraufkommen gleich nach Brüssel überwiesen werden.“ Zum Originalkommentar
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„Es wäre interessant, wie viel Geld von diesem geplanten Budget in Kosten für Personal und Pensionen draufgeht. Hier wäre das größte Sparpotenzial.“ Zum Originalkommentar
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„Wenn man wie Island die Hauptvorteile der EU, nämlich den EU-Binnenmarkt und den Schengenraum, geschenkt bekommt, warum sollte man dann in den EU-Club eintreten und Beiträge zahlen? Die EU sollte den Content hinter der Paywall verbessern.“ Zum Originalkommentar
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„Ich frage mich, wozu die EU überhaupt noch neue Mitglieder aufnehmen will. Wir haben doch bereits genug Probleme mit den bestehenden Mitgliedern. Es wäre besser, hier mal zuerst auf- und auszuräumen.“ Zum Originalkommentar
„Die Mitbestimmung in der Kommission müsste geregelt sein, anhand der Nettoeinzahlungen. Deutschland als größter Geldgeber sollte demnach auch viel mehr Rechte haben. Eine zentrale Verwaltung wird nicht benötigt, kostet Unsummen jährlich. Eine EU der Vaterländer sollte angestrebt werden.“ Zum Originalkommentar
ANZEIGEIsland schützt Fischerei und Souveränität
Sechs Prozent der Leser erklären Islands Entscheidung vor allem mit konkreten Wirtschaftsinteressen statt mit einer grundsätzlichen Absage an Europa. Sie verweisen auf die Bedeutung der Fischerei, nationale Fangquoten und die Kontrolle über Ressourcen in der 200-Meilen-Zone; damit greifen sie auch den im Artikel erwähnten harten Kurs der Fischereiindustrie auf. Zudem heben sie Islands Einbindung in die EFTA und den Zugang zum europäischen Markt hervor, der eine EU-Vollmitgliedschaft aus ihrer Sicht weniger notwendig macht.
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„Den Isländern geht es doch nur darum, sich nicht an EU-Fischfangquoten und -Bestimmungen halten zu müssen. Gut für die aufgeblähte EU wäre doch das nächste Geldgrab.“ Zum Originalkommentar
„Man hätte mal dazuerwähnen können, dass es mit der EFTA eine Art Gegen-EU gibt, aber das Thema wird ja hierzulande gern totgeschwiegen. Mitglieder sind die ach so ungebunden-neutrale Schweiz, Liechtenstein, Norwegen und eben Island. Mitglied der EU werden zu wollen, hieße, der EFTA den Rücken zu kehren. Es war daher nicht nur ein Votum gegen die EU, sondern untrennbar damit verbunden auch eines für die EFTA, das die Isländer da abgegeben haben. Wären sie völlig losgelöst gewesen von Verbandelungen mit anderen Staaten, wäre die Entscheidung vielleicht anders ausgefallen.“ Zum Originalkommentar
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„Da werden argumentativ mal wieder ein paar EU-Halbwahrheiten verbreitet. Island hat aktuell weniger Grund, zu einer größeren Gruppe von Ländern zu gehören, als eigenständig zu bleiben. Fischerei und andere spezifische Themen sind einfach zu relevant für die Wirtschaft und dann sind übergreifende Sicherheitsthemen weniger wichtig. Warum Halbwahrheiten? 1. Viele technische Regulierungen werden durch die Wirtschaft angestoßen, insbesondere um den Markt gegenüber ausländischen Mitbewerbern zu schützen. 2. Es gibt für fast alle anderen Fragen jenseits des Marktes eine Art Rahmen, der dann in den Ländern gestaltet werden kann. Hier scheitert manchmal der Bund und beispielsweise im Chemikalienrecht wurde dann die Richtlinie 1:1 umgesetzt. Das war nicht komfortabel für alle Beteiligten, und da kann man natürlich sagen: die EU, aber es ist halt auch ein leichter Weg, Verantwortung auf andere zu schieben …“ Zum Originalkommentar
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„Welche Länder kamen eigentlich (neben Österreich, Schweden und Finnland) als Nettozahler in die EU? Als Nettozahler beizutreten, schmälert natürlich die Attraktivität der EU. Drängt sich in Deutschland jemand im Länderfinanzausgleich vor, Geberland zu werden? Dazu kommt Islands 200-Meilen-Fischereizone. Dort bestimmt Island die Fangquoten, wahrscheinlich nicht schlechter, als das die EU machen würde. Mit seinem Freihandel mit der EU kann Island gut leben, auch beim Fisch. Fast 70 % des isländischen Fisches kommen ohne Zoll in die EU. Zoll wird bei verarbeitetem Fisch erhoben. Das sollte bei der Bewertung des Wahlausgangs und der EU berücksichtigt werden. Wollen etwa die Ukraine als Nettozahler in die EU?“ Zum Originalkommentar
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„Der Vorschlag zur Wiederaufnahme der Beitrittsverhandlungen kam doch von Island selbst, wenn ich das richtig verstanden habe. Und das vermutlich, da Trumps Botschafter gemeint hatte, dass Island auch ein guter Kandidat als neues US-Territorium wäre. Island hat keine Armee und ist völlig von den USA abhängig. Aber vor allem die Fischereiindustrie hat dem einen Riegel vorgeschoben, indem sie vehement dagegen Stimmung machte. Nun kann Trump ja kommen und Anspruch auf eine weitere Insel erheben.“ Zum Originalkommentar
ANZEIGEAndere Meinungen
Acht Prozent entfallen auf weitere, oft kurze oder zugespitzte Einordnungen. Einige Leser verweisen auf die Liste weiterer EU-Beitrittskandidaten und widersprechen damit der These, die Union verliere generell an Anziehungskraft; andere hinterfragen die Darstellung des Artikels oder diskutieren den Nutzen von Binnenmarkt und Euro.
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„Ist doch nicht schlimm, dass die Isländer nicht wollen. Dafür gibt es viele andere Länder, die unbedingt in die EU wollen. Offizielle Beitrittskandidaten sind: Albanien (Kandidat seit 2014, Verhandlungen begonnen) Bosnien und Herzegowina (Kandidat seit 2022, Verhandlungen beschlossen) Georgien (Kandidat seit 2023) Republik Moldau (Kandidat seit 2022) Montenegro (Kandidat seit 2010, im Prozess am weitesten fortgeschritten) Nordmazedonien (Kandidat seit 2005, Verhandlungen begonnen) Serbien (Kandidat seit 2012, Verhandlungen laufen) Türkei (Kandidat seit 1999, Verhandlungen seit 2018 eingefroren) Ukraine (Kandidat seit 2022).“ Zum Originalkommentar
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„“Ist der EU-Binnenmarktzugang im Euro zwingend?„ Aktueller Stand Target-2-Saldo Deutschland: 1,037 Billionen Euro. Nur zum Verständnis: Das sind unbezahlte Warenlieferungen unseres Landes an EU-Staaten. Ja, es ist schon unglaublich, wie wir von der EU und dem Euro profitieren.“ Zum Originalkommentar
Diskutieren Sie mit: Sollte die EU Kompetenzen und Haushaltspläne stärker begrenzen – oder braucht Europa gerade mehr gemeinsame Regeln? Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren.
Hinweis: Die zitierten Kommentare geben ausschließlich die Meinungen unserer Leser wieder und wurden inhaltlich nicht verändert. Analyse und Strukturierung erfolgen mithilfe Künstlicher Intelligenz. Die zusammenfassenden Texte und Einordnungen werden redaktionell kuratiert und bearbeitet.
Kein Bock auf Brüssel: Island ist für die EU ein Warnsignal